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Schulraum

Die Schule Reiden nimmt die Herausforderungen der Zukunft an

Steigende Schülerzahlen, eine grössere Nachfrage nach Betreuungsangeboten und veränderte Raumbedürfnisse für einen zeitgemässen Schulbetrieb: Die Schule Reiden steht in den kommenden Jahren vor grossen Herausforderungen. Gemeinderat und Schule Reiden haben nun festgelegt, wie sie diese Herausforderungen anpacken und wie der benötigte Schulraum bis 2040 abgedeckt werden soll.

Reiden setzt sich seit vielen Jahren für ein umfassendes Schulangebot ein. Kinder, die in Reiden zur Schule gehen, sollen dies unter bestmöglichen Voraussetzungen tun können. Das sehr gute Bildungsangebot soll die Gemeinde auch weiterhin im regionalen Standortwettbewerb auszeichnen. Die Schule ist dabei vielerlei Einflüssen unterworfen und muss aus diesem Grund laufend aus verschiedenen Blickwinkeln evaluiert werden:

  • Bildung: Der Schulunterricht hat sich in den vergangenen Jahren in sehr vielen Bereichen grundlegend verändert. Dazu beigetragen hat zum einen der erhöhte Bedarf an jeglicher Förderung und die ständige Entwicklung unserer Gesellschaft. Ein aktueller Treiber in der Bildung ist auch die rasante Entwicklung verschiedenster Technologien wie etwa die Digitalisierung. Kinder lernen heute für Berufe, welche es heute noch gar nicht gibt.
  • Bevölkerungswachstum: In der Gemeinde Reiden steigen die Einwohnerzahlen – und damit auch die Zahl der Kinder an der Schule. Das war bereits bei der Eröffnung des Schulhauses Reiden Mitte bekannt. Damals sollte aber nicht Schulraum auf Vorrat gebaut werden. Die steigende Tendenz bei den Lernendenzahlen hat sich inzwischen bestätigt – und damit auch der Bedarf nach weiterem Schulraum. Dazu sind in Reiden für den Schulbetrieb nach wie vor provisorische Container in Betrieb. Die Zahl der Lernenden wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Reiden um mehr als 25 % auf über 1‘000 steigen.
  • Tagestrukturen: Die Nachfrage nach Betreuungsangeboten im Rahmen der schulergänzenden Tagesstrukturen steigt auch in Reiden weiter. Eine Entwicklung, die in praktisch allen anderen Gemeinden ebenfalls festzustellen ist. Tagesstrukturen sind ein Kernelement der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung, indem sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Diese Zahl hat sich in Reiden bereits auf Beginn des laufenden Schuljahres verdoppelt.

Schule und Gemeinde gemeinsam
Diese sehr komplexe Aufgabenstellung haben Gemeinderat und Schule zu einer umfassenden Auslegeordnung veranlasst. Während die Schule Reiden ihre pädagogische und organisatorische Weiterentwicklung vorantrieb, hat der Gemeinderat zusammen mit dem externen Beratungsunternehmen Basler & Hofmann daran gearbeitet, auf welchem Weg die dafür nötigen räumlichen Voraussetzungen für die Zukunft der Schule am besten bereitgestellt werden können. Am Ende lagen mehrere Lösungsansätze auf dem Tisch, von welchen vier mit der Bevölkerung an einer Diskussionsveranstaltung im November 2024 besprochen wurden.

Die neue Vision der Schule
Zuerst hat der Gemeinderat die von der Schule Reiden entwickelte Vision «Lernen an der Schule Reiden: Gemeinschaftlich – individuell – zukunftsgerichtet» gutgeheissen. Schule und Gemeinde wollen damit für Familien einen attraktiven Lebensraum gemeinsam gestalten. Die neue Vision soll die bisher geltenden, eher starren Strukturen aufbrechen und mehr Raum für die individuelle Förderung schaffen. Die Kinder sollen entsprechend ihrer individuellen Stärke unterschiedlich lange und intensiv an den Themen aus dem Lehrplan arbeiten, ohne durch ein enges Lektionen-Raster beeinflusst zu werden. Neben dieser individuellen Förderung legt die Schule auch grossen Wert auf die Gemeinschaft. Die Gemeinschaft soll gestärkt und erlebbar gemacht werden. Alle können mit ihren individuellen Fähigkeiten einen Beitrag zur gemeinschaftlichen Entwicklung leisten.

Alle geplanten Veränderungen werden schrittweise und mit grosser Sorgfalt umgesetzt. Die Schule legt Wert darauf, die neue Vision in einem behutsamen Tempo zu realisieren, das der Komplexität und Tragweite dieser Entwicklung gerecht wird. Zwei Primarschulklassen haben im laufenden Jahr erste Erfahrungen gesammelt, im kommenden Schuljahr beginnen zwei weitere Klassen an der Primarschule und die ersten Klassen an der Oberstufe.

Schulraumstrategie festgelegt
Während die Schule aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen mehrheitlich inhaltlich gefordert ist, muss die Gemeinde mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung und die neuen Unterrichtsformen die dafür nötigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Hier ist die Gemeinde auf mehreren Ebenen gefordert. Die anstehenden inhaltlichen Veränderungen im Schulbetrieb sollen auch der Moment sein, um verschiedenen Anpassungen in der Nutzung der heutigen Schulanlagen umzusetzen und gleichzeitig nötige Erweiterungen mit Blick auf die neuen inhaltlichen Aufgaben an die Hand zu nehmen.

So hat der Gemeinderat die folgende Strategie für die zukünftige Schulraumentwicklung festgelegt:

  • Neues Primarschulhaus Reiden-Mitte: In Reiden Mitte wird das Angebot für den Zyklus 1 und 2 ausgebaut. Die Planung von zusätzlichem Schulraum (Neubau, Aufstockung oder Erweiterung) wurde gestartet. Die neuen Räume sollen die Anforderungen der neuen Schulvision erfüllen. Gleichzeitig werden die heute durch Primarklassen genutzten Räumlichkeiten im Sek-Schulhaus wieder für die Oberstufe benötigt. Das neue Schulhaus soll diese Zimmer aufnehmen und so den benötigten Raum für die Sek-Klassen freispielen.
  • Kindergarten-Standorte zusammenlegen: Die Kindergärten aus Reiden werden auf dem Areal Reiden Mitte zentralisiert. Die Gemeinde sieht im Gesamtangebot in Reiden Mitte (Kindergarten, Primarstufe, Tagesstruktur, Hausaufgabenhilfe, Förderangebote) klare Vorteile. Auch schulorganisatorisch bringt dies deutliche Vorteile, indem Lehrpersonen stärker zusammenarbeiten können. Die Container auf dem Oberstufengelände werden aufgelöst. Die Zukunft der freiwerdenden Gebäude und Parzellen ist in Prüfung.
  • Schulhaus Reidermoos: Vor diesem Hintergrund wird das Schulhaus Reidermoos voraussichtlich nach 2030 stillgelegt. Kinder und Lehrpersonen dieses Schulhauses erhalten in Reiden Mitte ab dann ein besseres, umfassenderes Angebot. Die Gemeinde kann die anstehenden teuren Investitionen am Schulhaus Reidermoos auslassen und stattdessen in eine ganzheitliche Lösung in Reiden Mitte investieren. Der Gemeinderat sieht in diesem Weg den grössten Mehrwert für die Schule – aus Sicht der Schulorganisation ebenso wie aus Sicht eines umfassenden Gesamtangebotes, das in einem Kleinschulhaus nicht mit einem verantwortbaren Aufwand angeboten werden kann. Mit dieser Massnahme erzielt die Gemeinde Reiden darüber hinaus auch einen betriebswirtschaftlichen Nutzen: Die vergleichsweisen hohen Kosten für Sanierung, Unterhalt und Betrieb des Kleinschulhauses entfallen in Zukunft. Gleichzeitig will die Gemeinde Massnahmen prüfen, die den Wegfall eines Schulhauses für das soziale Netzwerk im Ortsteil Reidermoos aufwiegen.
  • Tagesstruktur im Hotel Sonne: Bereits im kommenden Sommer werden die Räumlichkeiten für die Tagesstruktur-Angebote vorübergehend im Erdgeschoss des Hotel Sonne in Betrieb genommen. Mit diesem ersten Schritt wird zum einen der schon heute stark wachsenden Nachfrage an Betreuung Rechnung getragen. Zum anderen wird so am heutigen Standort der Tagesstrukturen dringend notwendiger Raum für den Schulbetrieb frei. Die Tagesstrukturen sind nach der Übergangsphase wieder auf dem Schulareal eingeplant.
  • Langnau und Richenthal stärken: Die Schulstandorte Langnau und Richenthal werden gestärkt. Auf die Schliessung des Schulhauses Richenthal (das war eine der vorgeschlagenen Optionen) verzichtet der Gemeinderat, nicht zuletzt auch aufgrund der Argumente, welche im Rahmen der Informationsveranstaltung aus der Bevölkerung vorgebracht wurden. Die Gesamtbetrachtung brachte am Schluss zu wenig greifbare Vorteile. In Richenthal bleibt der Schulstandort mindestens bis zur 2. Klasse erhalten, bis zum Zeitpunkt einer grösseren Sanierung auch jener für die 3. und 4. Klasse. Der Unterricht der 5. und 6. Klassen hingegen wird zur Entschärfung der Raumknappheit mittelfristig nach Langnau verlegt, der Schultransport darauf ausgerichtet. Die Auslagerung der 5./6.Klasse schafft den nötigen Raum, um in Richenthal den Unterricht bis zur 4. Klasse zu sichern, was den Standort dort insgesamt ebenfalls stärkt.
  • Unterhalt und Ausbau von Schul-Immobilien: Neben Neubauten wird auch dem Unterhalt und dem Ausbau der bestehenden Gebäude Rechnung getragen. Diese sollen durch gezielte und geschickte Investitionen / Renovationen langfristig nutzbar bleiben. Die Sanierungen und Erweiterungen bestehender Schul-Anlagen müssen auch betriebswirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll realisiert werden können.
  • Finanzpolitischer Rahmen: Alle Investitionen in Schulhäuser müssen auch abgestimmt sein auf die finanzpolitische Gesamtsituation einer Gemeinde.

Einführung der Basisstufe
Die Weiterentwicklung der neuen Schulvision und die ganzheitliche Erneuerung des Schulraumes ermöglicht der Schule Reiden einen weiteren bedeutenden Schritt Richtung «ganzheitlichem» individuellem Lernen: die Einführung der Basisstufe. Die Basisstufe vereint den Kindergarten mit den ersten beiden Primarschuljahren. In Reidermoos sammelt die Schule Reiden bereits seit 2011 wertvolle Erfahrungen mit diesem Modell. Ziel ist es, die individuellen Entwicklungsbedürfnisse der Kinder besser zu berücksichtigen und einen sanften Übergang vom spielerischen zum schulischen Lernen zu ermöglichen.

Die neue Basisstufe soll bis spätestens 2035 schrittweise auf dem gesamten Gemeindegebiet eingeführt werden. Diese strukturelle Veränderung ist ein zentraler Bestandteil der Umsetzung der neuen Vision und wird zusammen mit den Lehrpersonen entwickelt. Der Neubau in Reiden Mitte soll gezielt den Bedürfnissen einer Basisstufe entsprechen.

Die gleichzeitige Erneuerung von Schulstrategie und Schulinfrastruktur eröffnet die Chance, das Lernen in Reiden ganzheitlich zu denken und optimal auf die Bedürfnisse der Kinder auszurichten.

Kosten werden jetzt konkretisiert
Die Umsetzung dieser Massnahmen wird jetzt gestartet. Schule und Verwaltung konkretisieren die dafür benötigten finanziellen Mittel bezüglich der baulichen Massnahmen und legen einen Terminplan für die verschiedenen Schritte fest. Alle Entscheide wurden bisher auf der Basis von Erfahrungswerten und Kostenschätzungen getroffen. Diese können jetzt mit höherer Verbindlichkeit festgelegt werden. Weil grosse Investitionen auch Volksabstimmungen erforderlich machen können, sind die politischen Prozesse klar festgelegt und können sich in die Länge ziehen. Die Gemeinde will diesen Prozessen den nötigen Raum eingestehen und temporäre Lösungen zur Überbrückung nötigenfalls mit Provisorien realisieren.

    Gemeinderat Reiden

    Weitere Unterlagen finden Sie hier im Projekt Schulraumplanung auf der Webseite der Gemeinde Reiden.