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Vision

Unsere Vision – unser Wegweiser 

Lernende, Lehrpersonen, Fachpersonen, Eltern, Schulleitung, Rektorat, Behörden und Bevölkerung tragen gemeinsam die Verantwortung für die Schule Reiden. Zusammen entwickeln wir unsere Schule (als Teil der Bildungslandschaft Reiden) kontinuierlich weiter. Die Schule Reiden ist ein Ort, an dem Lernen Freude macht, Menschen wachsen dürfen und Zukunft gestaltet wird.

Wir leben eine Schule, an der …

… wir uns gegenseitig mit Respekt begegnen und uns aufeinander verlassen können.
… wir Geborgenheit und Vertrauen als Fundament für nachhaltiges Lernen erachten.
… wir Verantwortung für uns selbst, für die anderen und für unsere Gemeinschaft übernehmen.
… wir uns mit grundlegenden Fähigkeiten für das eigenverantwortliche und lebenslange Lernen ausstatten können.
… wir ganzheitlich und individuell Lernen können und jede und jeder von uns sich entfalten kann.
… unsere Stärken, Interessen und Bedürfnisse zählen und wir achtsam mit unseren Schwächen umgehen.
… uns die Aneignung von Wissen, Fähigkeiten und Haltungen möglich ist, um uns für die Zukunft zu stärken.
… wir eine lebendige, vielfältige und solidarische Schulgemeinschaft gestalten.

Unsere Vision wird in Leitsätzen weiter konkretisiert. Diese Leitsätze geben uns eine klare Richtung, um auf die Vision hinzuarbeiten:

  • Flexibilität im Unterricht schafft Raum für individuelles Lernen.
  • Coaching-Gespräche fördern den persönlichen Lernweg.
  • Lernfortschritte werden transparent dokumentiert und gemeinsam reflektiert.
  • Moderne Materialien und flexible Räume unterstützen kreative Lernprozesse.

Bereits im Schuljahr 2024/2025 haben wir mit ersten Pilotprojekten begonnen. Vier Pilotklassen im Zyklus 2 sowie erste Formen von Selbstorganisiertem Lernen (SoL) im Zyklus 3 ermöglichen uns, neue Wege auszuprobieren. Schritt für Schritt nähern wir uns den in den Leitsätzen formulierten Zielgrössen an.  Wir sammeln Erfahrungen und entwickeln uns weiter. Die strategischen Überlegungen und praktischen Erfahrungen fliessen in die Unterrichtskonzepte ein. Diese Unterrichtskonzepte werden zyklusspezifisch erstellt.  

Gerne informieren wir die Leserinnen und Leser auf dieser Webseite regelmässig über aktuelle Gegebenheiten, Entwicklungen und Schritte auf dem Weg zur Umsetzung unserer Vision. ​


Haus des Lernens

Im Mittelpunkt des Lernverständnisses der Schule Reiden steht das «Haus des Lernens». Es zeigt einfach und verständlich, wofür die Schule steht und wie Lernen gut gelingen kann. Das Fundament des Hauses besteht aus drei Haltungen:

Respekt, Verantwortung und Vertrauen.

Diese Haltungen sorgen dafür, dass sich alle sicher und wohl fühlen. Darauf stehen drei Säulen: gemeinschaftlich, individuell und zukunftsgerichtet. Sie geben Orientierung für die tägliche Arbeit. Durch diese drei Säulen entsteht Raum für Gemeinschaft, persönliche Entwicklung und das Lernen von Kompetenzen für die Zukunft.

An der Schule Reiden gestalten Lehrpersonen und Lernende diesen Lernraum gemeinsam. Gemeinschaft wird bewusst gelebt und sichtbar gemacht. Jede und jeder kann mit den eigenen Fähigkeiten etwas beitragen. Gleichzeitig finden die Lernenden Lernangebote, die zu ihren Voraussetzungen und Stärken passen. Lehrpersonen unterstützen sie dabei, immer selbstständiger zu lernen.

 

Berichterstattung zur Schulentwicklung im Reiden Magazin

2026 - 2021

Ausgabe Nr. 1, Februar 2026

Reidens Schule gewährt Einblick in den neuen Lernalltag

Die Schule Reiden will den Lernerfolg ihrer Schülerinnen und Schüler langfristig sichern. Sie hat deshalb die Vision «Schule Reiden 2040» gestartet, welche die Voraussetzungen für Lernen an der Schule zeitgemäss gestalten soll. Am 12. März zeigt die Schule Reiden erste Elemente dieser Vision im Rahmen des kantonalen Tages «Schulen für alle».

Unsere Welt verändert sich immer schneller. Wir alle sind laufend gefordert, uns mit den sich ändernden Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Nicht alle gehen mit solchen Veränderungen gleich um. Letztlich lassen sie sich aber nicht aufhalten. Vielmehr gilt es für alle, durch die konkrete Auseinandersetzung den geeigneten Umgang damit zu finden.

Das trifft in hohem Masse auch auf die Schule zu. Diese ist ein Spiegelbild tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen, die massgeblich geprägt werden durch den technologischen Wandel. Diese Veränderungen stellen die Lehrpersonen vor immer grössere Herausforderungen in der Gestaltung des Schulalltags nach gängigen Vorstellungen. Bereits in den vergangenen Jahren hat sich der Schulalltag schrittweise weiterentwickelt. Das noch vorhandene Bild des klassischen «Unterrichts im Klassenzimmer» hat sich längst gewandelt. Deshalb braucht es neben neuen pädagogischen Konzepten auch neue räumliche Voraussetzungen für den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen.

Zwar bleibt der Grundauftrag der Schule, Kinder und Jugendliche auf einem wichtigen und prägenden Abschnitt ihres Lebensweges zu begleiten, bestehen. Neue Erkenntnisse der Forschung zeigen aber, dass heute neue pädagogische und räumliche Konzepte nötig sind, um allen Kindern die gleiche Chance zu bieten, ihre eigenen Stärken weiterzuentwickeln und an ihren Lernfeldern zu arbeiten. Kinder und Jugendliche sind - wie unsere Gesellschaft - sehr unterschiedlich. Sie sind geprägt durch unterschiedliche Erstsprachen und kulturelle Hintergründe, durch unterschiedliche Lern- und Entwicklungsbedürfnisse (z.B. Begabungen, Lernschwierigkeiten), aber auch durch stark unterschiedliche Leistungsniveaus. Dazu verändern sich auch die Erwartungen der Berufswelt an ihre zukünftigen Lernenden, weil auch dort ein rasanter Wandel neue Voraussetzungen schafft.

Die Schule Reiden will diese Vielfalt als Chance nutzen. Dabei will sie den Auftrag der übergeordneten Stellen erfüllen und gleichzeitig den lokalen Spielraum bestmöglich nutzen im Interesse des Lernerfolgs der Reidner Kinder. Im Mittelpunkt der Entwicklung steht mehr individueller Spielraum bei der Gestaltung des Lernalltages. Klassen sind dabei gemeinsam unterwegs, der Lernalltag nimmt aber Rücksicht auf die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse und die verschiedenen Entwicklungsstände von Kindern. Dieser Spielraum soll den Lernerfolg sichern, weil motivierte Kinder deutlich einfacher lernen.

 

Ausgabe Nr. 5, Oktober 2025

Erste Schritte mit der Vision 2035

Mit dem Start erster SoL-Formate zum selbst­organisierten Lernen im Zyklus 3 sowie dem Ausbau der Pilotklassen in Reiden Mitte hat die Umsetzung unserer Vision 2035 begon­nen. Diese Piloten ermöglichen es, neue Lern­formen in einem kleineren, überschaubaren Rahmen auszuprobieren und erste Erfahrun­gen zu sammeln. So können wir Erkenntnisse gewinnen, Chancen und Herausforderungen früh erkennen und die nächsten Schritte ge­zielt anpassen.

Die Vision selbst baut auf Respekt, Verant­wortung und Vertrauen – Werte, die Kindern ein sicheres Umfeld geben, in dem sie ihre Stärken entfalten und Verantwortung über­nehmen können. Mit mehr Eigenständigkeit und neuen Lernformen bereiten wir die Schü­lerinnen und Schüler Schritt für Schritt auf die Zukunft vor.

 

Ausgabe Nr. 3, Juni 2025

Schule 2040 Reiden:

«Neue Ideen brauchen Raum»

Steigende Schülerzahlen, eine grössere Nach­frage nach Betreuungsangeboten und verän­derte Raumbedürfnisse für einen zeitgemäs­sen Schulbetrieb: Die Schule Reiden steht in den kommenden Jahren vor grossen Heraus­forderungen. Sie sollen mit frischen Ideen und einer neuen Vision angegangen werden. Gemeinderat Bruno Geiser und Rektor Philipp Stocker erklären den Plan.

Die Schule Reiden hat eine neue Vision ent­wickelt. Warum?
Philipp Stocker, Rektor: «Wir sind als Schule sehr stark gesellschaftlichen Einflüssen ausgesetzt. Auf diese haben wir mit der neuen Vision reagiert. Die Vision legt fest, wie wir unseren Bildungsauftrag langfristig wahrnehmen wollen.»

Was ist neu?
Philipp Stocker: «Wir wollen die starren Struk­turen der Schule aufbrechen und mehr Raum für die individuelle Förderung bie­ten. Wir sind überzeugt, dass das aktuelle System die Lernenden und die Lehrpersonen einengt und mehr herausfordernde Situa­tionen auslöst, als dass solche gelöst wer­den können. Dies bedeutet nicht, dass die Kinder nur noch machen, worauf sie Lust haben. Wir geben ihnen die Möglichkeit, je nach individueller Stärke unterschied­lich lange an einem bestimmten Thema zu arbeiten. Neben dieser individuellen Förderung wollen wir mit der ersten Säule unserer Vision gezielt auch die Gemein­schaft stärken und erlebbar machen. Uns ist wichtig, in der heutigen Zeit der vielen Individualisten auch aufzuzeigen, dass wir als Gemeinschaft unterwegs sind und von­einander profitieren können. All diese Ände­rungen wollen wir in sehr kleinen Schritten angehen.»

Reidens Gemeindefinanzen sind ange­spannt. Ist das der richtige Zeitpunkt?
Bruno Geiser: «Die Vision und die jetzt geführ­te Diskussion über Kosten für neuen Schul­raum hängen nicht zusammen. Wir führen sie parallel, weil das letztlich der beste Weg ist und wir den Schulraum aufgrund der steigenden Zahlen ohnehin erweitern müssen - ob mit neuer Vision oder nach bis­herigem Modell. Unsere Schule ist mit der neuen Vision inhaltlich sehr innovativ un­terwegs, was Lehrpersonen, Schulkindern, Eltern und letztlich auch der Gemeinde sehr viel bringen wird. Für den Gemeinde­rat ist das ein sehr zentrales Anliegen. Denn Bildung ist letztlich eine Investition in die Zukunft! Ich finde es gut, dass wir jetzt mit der Vision wichtige inhaltliche Wegweiser dafür haben, wie wir den Schulraum der Zukunft gestalten sollen. Der Kanton de­finiert, für alle gleich, die Ressourcen und den Raumbedarf pro Klasse und Kind, wir werden sie aber flexibler einsetzen können. Fakt ist, dass in Reiden die Zahl der Schul­kinder weiter steigt. Auf diese Entwicklung müssen wir als Gemeinde reagieren.»

Philipp Stocker: «Ich bin sehr froh, dass der Gemeinderat für die Bildung eine Gesamt­betrachtung gemacht hat, um Entscheide in der Schulentwicklung zu treffen. Es ist uns gelungen, auch im Prozess der Schul­raumentwicklung wichtige inhaltliche und pädagogische Aspekte einzubringen. Wenn wir in den Klassen vermehrt individualisiert unterrichten wollen, brauchen wir auch räumlich die entsprechenden Vorausset­zungen.»

Es gibt nun zahlreiche Rochaden und Ver­änderungen. Braucht es das?
Bruno Geiser: «Neue Ideen brauchen Raum und auch Zeit, um sich entfalten zu können. Mit der Schulraumstrategie 2040 schaffen wir genau dieses. Weil bei vielen Schullie­genschaften in den kommenden Jahren ohnehin Unterhalts- und Sanierungsar­beiten anstehen, war es auch aus finanz­politischer Sicht notwendig, eine länger­fristige Planung über unsere Schulorte zu machen. Deshalb haben wir jetzt die Gunst der Stunde genutzt, um unseren Schulraum zukunftsfähig gestalten zu können. Vermei­den lassen sich die Veränderungen deshalb nicht. Man muss dahinter aber auch die Chancen sehen …»

Philipp Stocker: «… das finde ich einen sehr wichtigen Punkt. So können wir den Schul­kindern vom Reidermoos mit der neuen Strategie in Reiden Mitte ein deutlich ver­bessertes Angebot bieten. Sie erhalten Zu­gang zu schulergänzenden Diensten, wie den Tagesstrukturen oder Hausaufgaben­hilfe, die wir für das Kleinschulhaus alleine gar nicht erbringen könnten. Dazu können wir auch die Schulstandorte Langnau und Richenthal stärken. Da wir die Umsetzung dieser Strategie jedoch langfristig und über mehrere Jahre planen, wird das einzelne Schulkind wohl gar nichts von diesen Ro­chaden und Veränderungen bemerken. »

Aber es bleibt ein Fakt, dass der Ortsteil Reidermoos sein Schulhaus verliert?
Bruno Geiser: «Ich kann diese Denkweise ver­stehen, bin aber überzeugt, dass am Schluss betriebliche und organisatorische Vorteile überwiegen werden. Und die Basisstufe, mit welcher im Reidermoos seit Jahren er­folgreich unterrichtet wird, werden wir auf die ganze Gemeinde ausweiten.»

Philipp Stocker: «Dazu haben wir den Wechsel bewusst langfristig angesetzt, dass keine Ein­griffe in bestehende Schulzyklen nötig sind.»

Die gesamte Strategie hat den Zeithorizont 2040. Die Einführung der Basisstufe wurde auf spätestens 2035 angelegt. Was waren die Überlegungen dabei?
Bruno Geiser: «Der Gemeinderat hat die Ein­führung der Basisstufe bewusst daran gekoppelt, dass dann die räumlichen Vor­aussetzungen im ganzen Gemeindegebiet geschaffen sind. Die Stilllegung im Reider­moos wiederum erfolgt nach 2030.»

Philipp Stocker: «Die Einführung der Basisstu­fe erfolgt nicht auf dem ganzen Gemeinde­gebiet gleichzeitig. Die Einführung macht erst Sinn, wenn die räumlichen Vorausset­zungen dazu geschaffen sind. Dieser Pro­zess sollte um 2035 abgeschlossen sein.»

Wesentliche Anteile am Mehrflächen­bedarf haben auch die Tagesstrukturen. Braucht Reiden diese?
Philipp Stocker: «Wenn ich auf die Nachfrage nach Plätzen etwa am Mittagstisch schaue, erübrigt sich diese Frage fast: Wir hatten auf das laufende Schuljahr doppelt so viele Kinder zu betreuen als noch im Jahr zuvor!»

Bruno Geiser: «Es ist eine gesellschaftliche Realität, dass solche Betreuungsplätze sehr gefragt sind. Längst nicht alle Eltern haben das Glück, ihre Kinder bei Nachbarn oder durch in der Nähe wohnende Grosseltern betreuen zu lassen. Dazu sind Betreuungs­angebote innerhalb der Tagesstrukturen auch ein volkswirtschaftliches Argument. Wenn Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können, bleiben die Eltern im Erwerbsprozess. In Zeiten des Fachkräf­temangels nicht ganz unwichtig!»

Alle Fakten zu den Entscheiden des Gemein­derates unter: reiden.ch/schulraum

 

 

Ausgabe Nr. 1, Februar 2025

Selbstorganisiertes Lernen begeistert Schü­ler und Eltern

Seit diesem Schuljahr arbeiten zwei 3. Pri­marklassen verstärkt mit dem Konzept des selbstgesteuerten Lernens, das wir derzeit als SAM+ bezeichnen (Selbstorganisiertes Arbeiten und Lernen). Die Grundidee hinter dieser Unterrichtsform ist die Förderung der Selbstverantwortung, der Motivation und die Berücksichtigung der individuellen Entwick­lungen der Lernenden.

Folgende Ziele sollen mit dem Konzept des selbstgesteuerten Lernens verfolgt werden:

  • Förderung der Selbstständigkeit: Die Schü­lerinnen und Schüler lernen, eigenver­antwortlich ihre Lernprozesse zu planen, durchzuführen und zu reflektieren.
  • Individualisierung des Lernens: Jedes Kind arbeitet in seinem eigenen Tempo und auf seinem Leistungsniveau.
  • Förderung von Kompetenzen: Neben fach­lichen Inhalten werden überfachliche Kom­petenzen wie Zeitmanagement, Selbst­reflexion und Problemlösungsstrategien gestärkt.
  • Weiterentwicklung der Rolle der Lehrper­son: Die Lehrperson agiert als Coach und Unterstützer, anstatt im Frontalunterricht zu dominieren.

Eine kürzlich durchgeführte Elternumfrage zeigt: Das Konzept kommt bei Kindern und Eltern gut an. Von den 35 befragten Familien nahmen 23 an der Umfrage teil, was einer beachtlichen Rücklaufquote von 65,7% ent­spricht. Die Ergebnisse zeichnen ein überwie­gend positives Bild des neuen Lernansatzes. „Mein Kind findet SAM toll!“, berichtet eine Mutter. Diese Begeisterung spiegelt sich in vielen Antworten wider. Die Kinder schätzen besonders die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, an welchen Lerninhalten sie arbeiten möchten.

Ein Grossteil der Eltern beobachtet eine ge­steigerte Motivation ihrer Kinder. „Er freut sich immer, wenn SAM stattfindet, erzählt viel davon“, berichtet ein Vater. Die selbst­ständige Arbeitsweise stärkt offenbar das Selbstbewusstsein der Kinder und fördert ihre Eigeninitiative. Besonders positiv bewerten die Eltern, dass ihre Kinder in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. „Am meisten schätzt er, dass er in seinem persönlichen Tempo ar­beiten und sich die Aufgaben selbst einteilen kann“, erklärt eine Mutter. Diese Flexibilität scheint sich auch positiv auf die Hausaufga­bensituation auszuwirken.

Trotz der überwiegend positiven Resonanz gibt es auch kritische Stimmen. Einige Eltern äussern Bedenken bezüglich der Vollständig­keit des Lernstoffs und der Effizienz des Un­terrichts. „Uns ist nicht klar, welche Ziele bis wann erreicht sein müssen“, merkt ein Eltern­teil an. Auch die erhöhte Bildschirmzeit und mögliche Ablenkungen durch PC-Spiele wer­den als potenzielle Schwachpunkte genannt. Die Schule nimmt diese Bedenken sehr ernst und plant, das Feedback der Eltern zu nutzen, um das Programm weiter zu optimieren. Wei­ter hat die Gesamtschulleitung entschieden - auch aufgrund der positiven Rückmeldungen - im nächsten Schuljahr wieder zwei 3. Klas­sen mit dem Konzept des selbstgesteuerten Lernens arbeiten zu lassen.

 

Ausgabe Nr. 6, Dezember 2024

SOL - Schritt für Schritt zum selbstorganisierten Lernen

Montag, 28. Oktober 2024 - ein normaler Nachmittag an der KSS Reiden. Lernende der 3. KSS arbeiten in einem Zimmer im Schulhaus Johanniter 4 ruhig an ihren Aufträgen. Eine Schülerin befasst sich mit den Aspekten des Ukraine-Konflikts. Ihr Pultnachbar liest im Buch „Die Welle“ und löst einen Deutsch-Auftrag dazu. Andere Lernende begeben sich gerade für einen weiteren Auftrag in den Gruppenraum. Fragt man die Lernenden, wie das möglich ist, wird man mit einer kurzen Antwort bedient: Es handelt sich um SOL-Unterricht.

SOL steht für selbstorganisiertes Lernen und begleitet die KSS nun schon seit mehreren Jahren. Erster offizieller Auftrag an die Lehrpersonen war das Erstellen eines Projektes mit überfachlichem Charakter. So wurde zum Beispiel im TTG (technisch-textiles Gestalten) ein Racletteöfeli hergestellt und gleichzeitig im Mathematikunterricht berechnet, wie viele Lebensmittel die Einweihung dieser Öfeli braucht und ein entsprechendes Budget aufgestellt. Es wurde im Musikunterricht ein Genre angeschaut und Songs dazu gesungen und gleichzeitig im Sportunterricht ein Tanz zu dieser Musikrichtung erarbeitet. Im WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) wurde das Thema Schulden angeschaut. Parallel lernten die Schülerinnen und Schüler im Fach Deutsch den Aufbau einer Fotostory kennen. Ihr gelerntes Wissen konnten sie in der abschliessenden Arbeit, einer Fotostory zum Thema Schulden, anwenden. Die Aufträge verfolgen alle dasselbe Ziel; die Fächer nicht als getrennt zu betrachten, sondern mögliche Überschneidungen und Synergien zu nutzen, um kreative und interessante Unterrichtssequenzen zu gestalten.

Zurück in das Schulzimmer der 3. KSS. Die Lernenden dürfen im RZG (Räume, Zeiten, Gesellschaften) und Deutsch in gewissen Lektionen wählen, an welchem der beiden Fächer sie arbeiten wollen. Sie teilen sich die Zeit und die Aufträge selbst ein und sind für die zeitgerechte und qualitativ ansprechende Erledigung verantwortlich.

Während SOL-Lektionen arbeiten die Lernenden in diversen Unterrichtsfächern selbständig und teilen sich die Aufträge innerhalb eines Quartals selbst ein. Damit dies auch gelingt, bereiten die Lehrpersonen die Themen des SOL-Unterrichts für die Lernenden in sogenannte «Bausteine» auf, welche die Lernenden selbständig oder mit minimaler Hilfe der Lehrperson erarbeiten sollen. Zusätzlich übernehmen sie in der Lektion die Rolle des Lerncoaches und führen Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern bezüglich ihrer Erfolge und Probleme im selbstorganisierten Lernen.

In den darauffolgenden Jahren soll der SOL-Unterricht durchaus noch ausgebaut werden. Andere Fächer und mehr Lektionen könnten nach einer ersten Evaluation dazukommen. Immer mit dem Ziel, den Lernenden nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sie auch in ihren Selbstkompetenzen so zu fördern, damit sie am Ende ihrer Schulzeit als selbstständige, planungsfähige und verantwortungsvolle junge Menschen in das berufliche Leben entlassen werden können.

 

Ausgabe Nr. 6, Dezember 2023

Aktuelles aus der Schule Reiden!

Seit gut zwei Jahren ist die Primarschule Reiden mit dem Schulentwicklungsprojekt SAM (Schule Anders Machen) unterwegs. Wir berichteten in der Dezemberausgabe 2021 darüber. In der Zwischenzeit wurden viele kleinere und grössere SAM-Projekte in einzelnen Klassen, aber auch in ganzen Stufen oder Schulhäusern durchgeführt. Wir werden Ihnen nun sporadisch im Reiden Magazin Projekte vorstellen, die sich bereits etabliert haben.

Klasse 6a - Wald und Schule - ein starkes Team – beide profitieren
Der Wald, weil ihn Kinder schätzen und lieben lernen und besser verstehen. Die Schule, weil der Wald und die Natur für ganzheitliches und erfahrungsbasiertes Lernen ideale Lernorte sind, und die gesunde Entwicklung der Kinder fördert. Gerne helfen wir mit der Klasse 6a, Neophyten zu entfernen; leisten in der Weihermatte einen Beitrag zur Erweiterung und Pflege des Naturschutzgebietes oder sind mit dem Förster auf Tierspurensuche im Wald. Natürlich gehört auch die Artenkenntnis verschiedenster einheimischer Pflanzen dazu. Wo lernt man das besser als draussen inmitten der Bäume und Sträucher?

Kindergärtner und 6. Klässler gemeinsam im Unterricht
Die 6. KlässlerInnen und 6. Klässler lesen ganz konzentriert Spielanleitungen und lernen verschiedene Spiele kennen. Nie ist genaues Lesen wichtiger als hier. Voller Elan bereiten sich die grossen Schülerinnen und Schüler vor, damit sie anschliessend in die Lehrerrolle schlüpfen können. Voller Stolz haben die Kinder der Klasse 6a im letzten Schuljahr Verantwortung übernommen und waren ganz grossartige Vorbilder. Es fanden mehrere gemeinsame Lektionen statt: Bilderbücher vorlesen, Bastelspass vor Weihnachten oder gemeinsames Singen und Spielen stand auf dem Programm. Eine Bereicherung sind solche Lektionen für die Kleinen und für die Grossen. Alle Beteiligten können wertvolle Erfahrungen mitnehmen.

Klassenübergreifende Lektionen in der 5.Klasse
Vor zwei Jahren hat ein Klassenzug der 5./6. Klassen damit begonnen, während je einer Lektion Mathematik und einer Deutschlektion pro Woche klassenübergreifend in verschiedenen Schwierigkeitsstufen am selben Lerngegenstand zu arbeiten. Die Rückmeldungen der ehemaligen 6.Klässler zu diesen «Superheldenlektionen» war fast durchwegs positiv. Den Kindern machte die Arbeit in unterschiedlichen Niveaus grossen Spass und sie hätten gerne noch mehr davon gehabt. Seit den Herbstferien haben nun auch die diesjährigen 5.Klässler wieder mit den «Superheldenlektionen» begonnen und schätzen es sehr, ihrem Niveau entsprechend lernen zu können. Die einen finden es toll, dass es etwas schneller vorwärtsgeht, man nicht immer auf die anderen warten muss und so tiefer in ein Thema eintauchen kann. Auf der anderen Seite sind einige Kinder natürlich froh, dass etwas Geschwindigkeit rausgenommen wird und sie ein Thema langsamer erarbeiten können. So erhalten auch sie die Möglichkeit, Erfolge zu feiern.

 

Ausgabe Nr. 1, Februar 2021

Altersdurchmischtes Lernen

Das Team Richenthal trifft sich seit einiger Zeit für zusätzliche Sitzungen, die einem gemeinsamen Ziel gewidmet sind: Altersdurchmischtes Lernen (kurz: AdL). An der Schule Richenthal gibt es schon seit Jahrzehnten Mischklassen. Das bedeutet, dass Kinder aus zwei Schulstufen miteinander in einem Klassenzimmer den Unterricht besuchen. Weshalb braucht es zusätzliche Sitzungen? Das Team Richenthal möchte die Vorzüge dieser Unterrichtsform noch bewusster nützen. Im Rahmen dieses Projektes führt die 2.-6. Klasse wöchentlich eine Deutschstunde gemeinsam durch. Jedes Kind arbeitet auf seiner individuellen Lesestufe, egal, welche Klasse es besucht. Die Lehrpersonen der 3.-6. Klasse planen das Fach NMG (Natur Mensch Gesellschaft) gemeinsam. Während zwei Lektionen wöchentlich findet der Unterricht gemeinsam statt. So auch im Projekt «Chor», welches zurzeit leider pausiert werden musste. Die Struktur des Unterrichts wurde im Rahmen der Auseinandersetzung mit AdL geöffnet. So findet in allen Klassen eine Ankunftszeit am Morgen statt (Morgenzeit), welche zum individuellen Lernen genützt werden kann. Neu gibt es in Richenthal keine fixe Fächerstundentafel mehr. Auch die Kindergartenkinder gehören zur Schulhauskultur. Sie haben ein Gotti oder einen Götti aus der 5./6. Klasse. Es ist schön zu beobachten, wie sich die ganz Grossen um die ganz Kleinen kümmern.

 

 

Ausgabe Nr. 6, Dezember 2021

SAM – Schule Anders Machen

Die ganze Welt, die ganze Gesellschaft ist einem steten Wandel ausgesetzt. Durch die immer schneller voranschreitende Technisierung und Digitalisierung und durch die immer vielfältigere Gesellschaft hat dieser Wandel in letzter Zeit ein rasantes Tempo aufgenommen.

Diesen Wandel, dieses Tempo und die daraus entstehenden Erwartungen spüren wir auch in der Schule. Kinder, die Erziehungsberechtigten und die Lehrpersonen sind sehr belastet und es kommt zu Unsicherheiten, aber auch zu Frust bei den verschiedenen Beteiligten.

Für uns als Schule ist klar, es muss etwas geändert werden. Wir wollen Sorge tragen zu allen an der Schule involvierten Personen und Voraussetzungen schaffen, die ein gesundes und befriedigendes Lehren und Lernen für alle Beteiligten ermöglichen. Wir wollen die Schule anders denken – die Schule anders machen. Gleichzeitung wollen wir uns aber nicht ein schon bestehendes Unterrichts-/Schulkonzept überstülpen. Dies bedeutet: offen sein für neue Ideen/Konzepte und diese im Unterricht ausprobieren. Dabei wollen wir herausfinden, was für unsere Schule das Richtige und Geeignete ist.

Dies ist eine lange Reise, die uns - davon sind wir überzeugt – zu einer längerfristigen, zukunftsgerichteten und nachhaltigen Schul- und Unterrichtsentwicklung führt. Am 27. Oktober startete die Primarschule Reiden mit einer SCHILW das Projekt SAM. Eine Projektgruppe, bestehend aus Lehrpersonen aller Stufen und der Schulleitung wird SAM begleiten und betreuen. Unterstützt wird die Schule von Patrick Schmidt von der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern als Projektbegleiter. Somit ist auch gewährleistet, dass wir uns immer entlang der neusten Entwicklungen der DVS bewegen werden. Um diesem grossen Projekt auch ein Gesicht zu geben, wurde eine Figur namens SAM entwickelt. Diese Figur soll die Schule, die Lehrpersonen und die Kinder während den nächsten Jahren begleiten. 

SAM soll uns daran erinnern, wie vielfältig unsere Kinder sind und dass nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Immer, wenn SAM in einem Klassenzimmer auftaucht, bedeutet dies, dass etwas versucht/ausprobiert wird, um ein gesundes und befriedigendes Lehren und Lernen für alle Beteiligten zu ermöglichen.